tierische komposita
Beim Flederwisch, heißt es in berufenen Nachschlagewerken, handle es sich um einen als Handfeger genutzen Gänseflügel. Natürlich schüttelt jetzt jeder, der einen Flederwisch kennt, sofort den Kopf, denn tatsächlich sprechen wir von einem handzahmen Geschöpf, das viel schläft, sich gern stundenlang kraulen lässt, bevorzugt an den Flederspitzen, und täglich eine Tasse Portwein zu schätzen weiß. An den Rändern fleddert der Flederwisch naturgemäß aus: soviel zur Etymologie des ersten Namensteils. Und da, wer mit einem Flederwisch zusammenlebt, ständig die ausgefledderten Fledern aufzuwischen hat, liegt ebenso auf der Hand, was es mit Teil zwei auf sich hat. Aber weil heuer die meisten Wissensdurstigen FREIE ENZYKLOPÄDIEN nutzen, schätzen wir Felderwischexperten uns überaus glücklich, immerhin dort die fehlerhaften >Einträge alsbald korrigieren zu können.
euka-pirates - 2013.02.12, 09:00 - tierische komposita
genau genommen handelt es sich bei der zimtzicke um ein missverständnis. wenn die sachlage ernsthaft mit gewürzen beschrieben werden soll, so ist die zimtzicke eher in der nähe des zuckers anzusiedeln: weiß, pudrig, überaus süß. da ihr bewusst ist, dass ihre stimme, dem allem recht zuwider, wie ein tierisches meckern klingt, schweigt sie meist. die sache mit dem zimt hingegen, geht auf den wolf zurück: nachdem das weichmachen seiner eigenen stimme mit kreide niemanden wirklich überzeugt hatte, riet er der zickenmutter, es mit zimt zu probieren. da lief sie innen wie außen kupfern bestäubt herum und sprach und sprach. doch, leider!, der zimt machte alles nur schlimmer. der wolf und die zicke aber sind - so kann's nämlich kommen - als das märchen endlich ausgestanden war, ein glückliches liebespaar geworden, das zurückgezogen im walde lebt.
euka-pirates - 2012.03.15, 22:19 - tierische komposita
die wegdrehmuschel schläft. sie liegt auf der seite am äußersten rand des lagers, das sie sich in algen und sand gebuddelt hat. wegdrehmuscheln träumen gern schöne dinge. so lange niemand sie stört, träumen sie immer weiter. manche haben ihr ganzes leben im traumland verbracht. der beste freund der wegdrehmuschel ist daher der aal. er fächert winzige wellen über ihren panzer hin, bis sie sich langsam erst dreht, dann öffnet. der aal zeigt ihr das HIER. sie küsst ihn dafür. man weiß nicht genau, wie sie es tun: sie tanzen, sie jauchzen, sie ziehen zum meer, sie trinken champagner und eierlikör. bis die wegdrehmuschel - sehr plötzlich, so viel ist bekannt - ein lager buddelt in algen und sand, sich wegdreht zum äußersten rand, und... der aal? ach der! der schwimmt munter zur nächsten, das ist doch allseits bekannt.
euka-pirates - 2012.03.07, 10:30 - tierische komposita
entgegen landläufiger annahmen, ist der einigel nicht wirklich winzig, sondern größer als ein hühnerei und kleiner als eine klitschkofaust. überhaupt kursiert viel unwahres über den einigel. so z.B. die ansicht, er sei im akut eingeigelten zustand besonders stachlig und außerdem ein wesen, dass sein leben bevorzugt allein verbringe. das gegenteil trifft zu. des einigels meistgeübte tätigkeit ist es, entweder eine ausiglerin zu suchen oder sich mit dem ausigeln einer einiglerin zu befassen. bei der dazugehörigen zeremonie wird aufs herzhafteste geraschelt, geschnüffelt, gefiept und geschmatzt und - natürlich - ungeziefer in rauen mengen ausgetauscht. dass so selten einigel-pärchen gesichtet werden, ist reine tarnung. kurz: der einigel ist ein gänzlich missverstandenes wesen, das sich darauf verlegt hat, uns gehörig an der nase herumzuführen.
euka-pirates - 2012.03.04, 16:31 - tierische komposita
mit fest in den boden gestemmten beinen, steht sie vorm waldsaum auf der wiese. ihr fell ist weiß. ihre hörner sind spitz. zwischen ihnen tobt ein funken, ein feiner, heftiger funken, immer hin und her. die kleine gewitterziege vibriert konzentriert und wie aufgespannt. mit den vorderbeinen stampft sie ins gras, ein einziges mal, schlägt zweimal mit den hinterbeinen aus: weit über den spitzen der lärchen, der buchen fährt ein licht durch den himmel. dann noch eins und wieder eins, in zacken aus weiß. beiläufig sieht das tier zum zenit, wo es grollt und donnert. der wind fegt vom wald her über die wiese, dass der mickrige borstenbart krummsteht im sturm. endlich ein kurzes meckern. dann entspannt sich, beim ersten regentropfen, ihr leib, und sie trollt sich zur herde von schafen, unter denen sie, zu gewöhnlichen zeiten, beinahe unerkannt lebt.
für >
youNice
euka-pirates - 2012.03.01, 21:18 - tierische komposita