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lanzelot - berlin neukölln

flirrt über den boden. libellenschnelles räderrattern über groben asphalt: und trägt knieschoner und helm und t-shirt, schwarz, xxl, mit reznor-konterfei, trent reznor, und stürzt nicht. stürzt überhaupt nie. und weit gespreizte arme und wind und angewinkelte arme und sonne, und dreht sich hoch überm boden einmal um die eigene achse, und landet hinterm abgrund auf der anderen rampe, und lehnt sich zurück, kurz, sehr kurz, und hält die knie gebeugt, und richtet sich auf, und saust, braust ins tal, betontal, und hinten wieder hoch, und steht plötzlich still, als wär nie bewegung gewesen. und das fieberglas in der hand jetzt als wär’s nie unter füßen gewesen. und sieht sich um: lächelt. und sein name sei lanzelot und sein name sei robin und sein name sei nizam aus dem fünften stock in der herrenhuter straße drei.

wofür er sich schämt

den einen und den anderen hunger: es gibt sie beide. der eine ist ihm ins gesicht geschrieben. sein gesicht, seine brust, seine hände, sie knurren vor hunger. daß er eher klein ist, bemerke ich kaum. auch nicht die farbe seiner haare, den klang seiner stimme. nur sein hungriges gesicht, auf anhieb, fast schmerzlich. wie lange? die frage biegt sich in mir zu einer schleife, endlosschleife. wie lange darbt deine haut schon berührungslos? er beugt ihn in richtung boden, den hunger, schämt sich für ihn: schämt sich. ich soll nicht sehen, daß er braucht, was jeder braucht. wenn er aufsähe. wenn er sich aufrichtete, hungrig bis ins mark. wenn er zu seinen hände stünde, zu seiner brust, seinen schultern, aufrecht, aufrecht. aber er sieht zu boden, biegt wofür er sich schämt blickfest auf den asphalt. und meine zeit hier ist abgelaufen.

tankstelle

die mädels sind seltsam heute. wie unterwasserwesen. als wären sie aale, schlängeln sie zwischen den zapfsäulen herum. wählerisch. heute sind sie wirklich wählerisch. drei haben sie schon abblitzen lassen. nur gut, daß pief nicht da ist. der hätte sie blau und grün geschlagen. schwarze haut mit blauen flecken, dann grünen, dann lila-gelben. an den anblick mußt ich mich erst gewöhnen. pief läßt fast nur schwarze arbeiten. ist son spleen von ihm. drei haben sie schon abblitzen lassen, aber jetzt ausgerechnet diesen fetten: um den streiten sie sich. die mädels sind seltsam, als gälten andre regeln, dabei ist heut ein stinknormaler donnerstag. mich lassen sie nie ran. hast genug vom zugucken, sagen sie und kennen kein erbarmen. pief lacht sich schlapp drüber, das schwein. sie sind wirklich seltsam heute, wie unterwasserwesen.

wagabund, mein name. mit w wie wilfried (für lars)

der wagabund und sein kamel streifen durch die weinberge in richtung rohracker. das heißt: sie streifen abwärts, denn sie kommen oben vom fernsehturm. es sind etwa sechsundzwanzig grad, die sonne scheint: frühlingssonne. das wasser ist ihnen ausgegangen. kein großes problem für das kamel, das beim wiederkäuen leise, schmatzende geräusche macht. für den wagabunden schon eher. plötzlich ist der weg asphaltiert. das kamel rümpft die nase. frau scheuerle steht am zaun ihres gartens. sie betrachtet die beiden, die genau da stehengeblieben sind, wo der sandweg aufhört. der wagabund schiebt das basecap aus der stirn. frau scheuerle sagt: kann ich ihnen ein glas wasser anbieten? das kamel schnaubt. der wagabund lächelt. frau scheuerle ist eine intuitive person. und sie hat seit jeher eine schwäche für wagabunden.

strichdesign

großraumabteil. tisch. felder in striche zerlegt. grün. gelb. braun. als stopper nur kirchturmspitzen, ab und an eine kuh. der letzte hirte kam hier neunzehnhundert- sechsundfünfzig vorbei. blauer himmelsblock. zwei wolken: grau. was ist eine kuh. bahnhöfe in striche zerlegt, backsteinstriche zinnoberrot. als stopper nur ortsnamen: schild blau, buchstaben weiß, marinegestreift. das kind ist elf monate alt. einmal alle vier minuten muß es den mund öffnen, den schnuller hergeben, osterkranzstückchen in sich aufnehmen, sabbern, kauen, schlucken. auch wenn es schreit. die frau zum kind in striche zerlegen. fettstriche. lenorstriche. ökopullistriche. gesundewangenfar- bestriche. zufriedenheitsstriche. als stopper nur sprechblasen. was ist ein hirte. was ist ein schaf. und waldstriche: tannengrün. buchengrau.

kombination

der reporter lächelt. sie ist im richtigen alter dafür, daß der reporter lächelt und nickt und ihren blick verloren nennt. genau genommen, hat er verlorene augen gesagt, aber das mit den augen ergibt keinen sinn. er meinte ihren blick, der berührungslos über die welt zieht. so einen blick hat sie: der streift über die dinge, bleibt an nichts hängen, läßt nichts nach innen. läßt auch nichts nach außen. sie ist genau im richtigen alter dafür, daß der reporter nickt und lächelt und verlorene augen sagt und sofort die kamera zückt. es ist die kombination. daß sie hier steht. wie sie hier steht. daß niemand sie schützen wird. daß sie das weiß. daß er das weiß. und das donnern hinter der raststätte. ihr blick fällt durch die linse auf den mikrochip. der reporter drückt ab. er lächelt. er sagt: du hast verlorene augen, mädchen.

wurzelunwissen

sie schwingt im wind. leicht schwingt sie hin und her im wind, und stößt gegen die auf ihrer rechten, die auf ihrer linken seite, gegen stamm und ast und blatt, und schwingt im wind. leicht schwingt sie hin und her im wind und quer zum krächzen der papageien, mitten durchs federkleidbunt zwischen den schatten. und schwingt leicht hin und her, und: wie kann das sein? nämlich: wie kann sie dort oben sein? sie gehört in die erde! sie gehört vergraben in dunkel, verborgen vor blicken. aber sie schwingt, leicht schwingt sie hin und her im wind, wo affen klettern, vielleicht ein faultier träumt, und schwingt durchs krächzen der papageien: im wind leicht hin und her, und wer hat eigentlich? wer immer behauptet hat, daß sie so unbedingt mit erde zu tun haben muß, der wußte nichts von luftwurzeln. und der wußte nichts von mir.

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ein paar zeilen über...

was die piratin hier tut

max zehn minuten schreiben. max zwei mal überarbeiten. max 852 zeichen mit leerzeichen (plus/minus). dann: flaschenpost ins weltweitewogen schicken. das ganze, wenn die see nicht zu rau ist, täglich. die see ist allerdings oft rau. dann: segel hissen, weiterschippern...

was geht?

2013
ein jahr für >treibguttexte, anlässlich all der kleinen und großen wunder, die die drift unablässig an die planken der euka spült, für >texte vom berg, anlässlich des wunderbaren ausblicks aus dem bullauge der kapitäninnenkoje, und natürlich für >londontexte, anlässlich des zweiten teils einer wundersamen >kreuzfahrt zur stadt an der themse... und schließlich ist 2013 auch ein wunderbares jahr für texte der rubrik revisited, in der sich besondere texte aus der ersten zeit des blogs finden, die teils inzwischen schon im print erschienen sind.

2012
das >Eigenartige Haus mit texten von sudabeh mohafez, aka eukapirates, und illustrationen von >rittiner & gomez erscheint als graphic novel im print bei der >edition taberna kritika

2011
zwischen dezember 2011 und mai 2012 entstehen hier fünf zehn-zeiler für das ensemble >gelber klang.

der >bildermacher und der >büchermacher haben die piratin überredet, die geschichte des "Eigenartigen Hauses" als mini - fortsetzungsroman zu erzählen. er beginnt am >9. juni. und die bilder dazu gibt es - wie könnte es anders sein? - im >logbuch

2010
das buch zum blog: am 17. märz ist das zehn-zeilen-buch im print bei der edition AZUR erschienen! alle weiteren infos dazu findet ihr >hier

2008
der >isla-volante-literaturpreis geht in 2008 an die zehn zeilen! eukapirates zupft das rote tuch vom haar, verbeugt sich formvollendet und murmelt leise: >danke schön...

2007
im >januar geht das zehn zeilen blog online

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