klangschriften

twain revisited

in stetem wachstum begriffene stalagmiten wohin sie sah, und diffuses licht aus einer unerkannten quelle. während sie sich in dieser hellblauen und braunen und rosig schimmernden welt umschaute, stellte sie fest, daß sie schwebte. höchstens drei fuß- breit hoch, aber eben doch eindeutig über dem boden, und tatsächlich war es eher ein gleiten, als ein schweben. die luft um sie her war erfüllt vom unregelmäßigen fall- klang hunderter oder tausender tropfen. sie hatte diesen traum schon oft geträumt. keine seiner wiederholungen hatte je sinnstiftend gewirkt. ein traum ohne bedeutung, in dem sie sich, sobald sie ihn erkannte, hauptsächlich langweilte. daß sie ihn dennoch gern träumte, lag an einer kindheitserinnerung: am nächsten morgen nämlich, erwachte sie jedesmal mit einem vergnügten gedanken an

huckjim huckleberry und jim in jones' höhle.





zu >traum II

allerweltsbild in der zeitung

er ist elf, vielleicht zwölf. er ist im besitz eines schmächtigen körpers und schütterer haare. er zählt noch drei eckzähne sein eigen. weil er so klein ist, rufen die anderen ihn oft mit mädchennamen. er stört sich nicht mehr daran, läuft durch häuserschacht- schatten, in >windkanälen zwischen den wohnsilos. den kopf hält er gebeugt, die augen weit offen. ein beutel hängt ihm quer über die schultern. er klaubt dinge vom boden, sammelt sie darin. manche wird er später zu geld machen. ein hund rennt auf ihn zu, bellt laut. der junge geht einen schritt, tritt aus dem foto, hebt den blick. sein lachen füllt das gesamte gesicht aus, das er dem hund jetzt entgegenstreckt. sie laufen um die wette. >später trifft er die anderen unten am hafen. sie lachen viel. sie teilen das essen. der hund schläft an seiner seite.

zu >traum III

vergrößert

er geht den kreis rückwärts. schritt für schritt und ohne sich umzusehen. er geht ihn einmal, zweimal. beim siebten mal tritt er daneben. nur mit einem fuß. kein fall in besondere tiefen, ein rhythmusfall eher. ein einzelner fehltritt aus dem metrum heraus. einer, der eben nicht auf dem im sand deutlich gezogenen kreis landet, sondern zwei fußbreit daneben. immer noch schaut er in den himmel, tastet aber jetzt mit dem fehltrittfuß den boden ab. plötzlich beginnt er wieder zu gehen, rückwärts, wie gehabt. den linken fuß auf dem kreis im sand. den rechten zwei fußbreit daneben, stetig, im takt. in einem neuen takt. er hat seinen raum >vergrößert, flüstert ein vorwärtsgeher. dann hält er sich die hände vor den mund. dann sieht er zu boden. dann setzt er den einen fuß mit angehaltenem atem zwei fußbreit nach links und geht.

>sound zm text

fensterversuchung

eine wolke vor meinem fenster, die mir sämtliche sicht versperrt. seit einem jahr hängt sie dort nahezu ununterbrochen, läßt sich nur kurz mal fortpusten, kehrt aber unweigerlich und bald wieder zurück. ich habe also verhandlungen aufgenommen, wolke-mensch-verhandlungen sozusagen. die welt langweile sie, erklärte mir die wolke, viel lieber sähe sie in mein fenster hinein. im gegenzug für einen solchen verzicht, müsse ich schon einiges bieten. schließlich einigten wir uns auf meinen garten. neben dem balkon darf sie sich jetzt niederlassen wann immer sie will und – das ist neu – gründlich ausregnen, täglich von sechs bis acht am morgen, wenn ich noch schlafe. zur zeit hält sie sich daran. gestern nacht habe ich sie aber dabei ertappt, wie sie kurz um die ecke lugte. es scheint, mein fenster bleibt ihre versuchung.

musik >uNice

wieder holen

der strich ist weiß auf dunklem grund und gebogen, eher elliptisch als kreisrund. er verliert sich weiter vorn im nebel. ich drehe mich um: der strich ist weiß auf dunklem grund und gebogen, eher elliptisch als kreisrund, und verliert sich weiter hinten im nebel. ich laufe auf dem strich entlang. machmal drehe ich mich um und laufe in die entgegengesetzte richtung. ich setze einen fuß vor den anderen auf den strich und die biegung und der nebel und der grund und die füße und der strich und die biegung und der nebel. manchmal höre ich stimmen, dringen gerüche an meine nase, kommt es mir vor, als zögen bilder rechts und links vorbei, dann holt mich der strich wieder oder ich hole ihn und setze einen fuß vor den anderen und laufe auf dunklem grund tendenziell elliptisch richtung nebel.

musik >uNice

danke schön!

der >isla-volante-literaturpreis geht in 2008 an die ZEHN ZEILEN! eukapirates zupft das rote tuch vom haar, verbeugt sich formvollendet und murmelt leise: >danke schön...

was die piratin hier tut

max zehn minuten schreiben, max zwei mal überarbeiten, flaschenpost ins weltweitewogen schicken (wenn die see nicht zu rau ist, täglich - die see ist oft rau), segel hissen, weiterschippern...

mehr zeilen...

...über >eukapirates

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