hilflos
die beiden saßen auf zwei alten autoreifen am ende des stegs und blickten auf den zugefrorenen see. ringsum nur winterweiß, der wässrig blaue himmel, das frostüberzogene grün der tannen am anderen ufer. ab und an ein knacken aus dem eis vor ihnen, das holzige schaben, wenn ein luftzug die riedhalme gegeneinander stieß. noch sekunden nachdem sie ausgeatmet hatten, hingen streifen kondensierter luft vor ihren gesichtern. sie hatte geweint, wirkte aber gelassen. er legte ihr den arm um die schultern. gleichzeitig sahen sie auf, als ein reiher über ihnen entlangflog. schwesterchen, sagte er und zog sie an sich, das leben ist manchmal ein bißchen verheddert, das wird schon noch. sie nickte. niemals hätte ich gedacht, daß man sich so entsetzlich hilflos fühlt, sagte sie, wenn man jemanden wirklich vermisst.
euka-pirates - 2009.01.26, 14:45 -

schönes blog!