was ehe ist

ich habe nachgedacht, sagt er, sieht auf den tisch, auf seine hände, räuspert sich. wir können alles machen. er sagt es genau so, er sagt: alles machen. außer du weißt schon. bricht ab, räuspert sich wieder. außer, na ja, außer das allerletzte. er nickt, als er es sagt, betrachtet jetzt seine knie. wenn ich sagen kann, ich meine, sagt er, falls sie es doch herausfindet, wenn ich dann sagen kann, wenn ich beschwören kann, wenn ich, ohne zu lügen, beteuern kann, daß ich nicht mit dir. er nickt wieder. dann ist es nicht so, du weißt schon, nicht so schlimm, verstehst du? das vergehen. er sagt tatsächlich: vergehen. es ist dann nicht wirklich von bedeutung, nicht ganz so gravierend. dann läßt sie es irgendwie durchgehen. aber alles andere, wirklich, alles andere können wir machen. wenn du einverstanden bist, natürlich.


nach einem mehr oder weniger unfreiwillig, aber überaus fasziniert zu sehr später stunde mitgehörten gespräch in meiner lieblingskneipe...
sammelmappe - 2009.01.17, 19:17

Hmm, ob er sich da mal nicht "verdacht" hat?

en-passant - 2009.01.17, 19:46

Das ist doch völlig unerheblich, "verdacht" oder nicht -

es könnte ebenso eine Sie sein, die sich hier in doppelter Selbstbewahrung versuchte. Ich weiß das zufällig aus einer aktuell nicht unähnlichen Nahbeobachtung: Das Protokoll scheint mir sehr genau das und etwas viel Weiterreichendes auf den Punkt zu bringen.

(UND es geht so auch wunderbar auf im Gelingen in dieser 10-Zeilen-Form!)
euka-pirates - 2009.01.17, 20:49

@ sammelmappe

wir müßten die dame fragen, der dieses angebot gemacht wurde...
euka-pirates - 2009.01.17, 20:50

@ en-passant

merci für die form-blumen.
Sturznest - 2009.01.17, 20:55

die frage ist doch, was ist das allerletzte

en-passant - 2009.01.17, 21:17

Genau das Unbeantwortetsein dieser Frage lässt der Situation doch erst ihre Offenheit!

So empfinde ich es wenigstens. Weil: Sonst liefe es ja auf das ewige Selbe, das Naheliegende hinaus.

Tut es wohl sowieso, aber der kleine schöne Text hebt das kurz auf in seinem zurücknehmenden Bedenken und führt das [menschlich] Verfahrene in das Offene, das kleine Darüberhinaus, das erst dem Text gelingt.

Die Wirklichkeit der Paar-Konstellationen, die Bindungen also, die zu solchen Zerrisenheiten führen, sind ja Bedingungen für das Elend. Das dann wieder diese protokollierbaren Zehn-Zeilen-Gelungenheiten hervorzubringen erlaubt...

 
also - 2009.01.17, 22:11

in der lieblingskneipe, alles machen, dass geht uns natürlich alles durch den kopf - planen die etwa einen banküberfall?!

euka-pirates - 2009.01.18, 11:11

@ also

banküberfall, das könnte natürlich sein, oder sie planen vielleicht eine geheime reise auf die >insel ...
Sturznest - 2009.01.18, 13:26

die warten sicher auf godot

danke schön!

der >isla-volante-literaturpreis geht in 2008 an die ZEHN ZEILEN! eukapirates zupft das rote tuch vom haar, verbeugt sich formvollendet und murmelt leise: >danke schön...

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euka-pirates - 2009.10.30, 17:42

was die piratin hier tut

max zehn minuten schreiben, max zwei mal überarbeiten, max achthundertfünfzig zeichen mit leerzeichen. dann: flaschenpost ins weltweitewogen schicken. das ganze, wenn die see nicht zu rau ist, täglich - die see ist allerdings oft rau. schließlich: segel hissen, weiterschippern...

mehr zeilen...

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