am strand
enttäuschen tut man immer nur sich selbst, sagte er, und sie sah zu boden, dann aufs meer hinaus. wenn man enttäuscht wird, hat man sich vorher getäuscht, verstehst du? sagte er. man hat sich selbst getäuscht, sich selbst hinters licht geführt, sich etwas vorgemacht und in die eigene tasche gelogen. so ist das, sagte er und nickte, wie um seinen worten noch mehr gewicht zu verleihen. und deshalb, sagte er schließlich, ist jeder für seine eigenen enttäuschungen verantwortlich, der andere hat damit nichts zu tun. in der salzluft oben, sonnennah, zog der langgezogene schrei einer möwe über sie hin. sie holte ihren blick wieder zurück, richtete ihn auf eine muschel im heißen sand, auf ihre zehen, auf seine, sah schließlich zu ihm hoch, nickte, strich ihm über die wange mit der ganzen hand und ging.
euka-pirates - 2008.05.11, 12:58 -

nicht enttäuscht
Dieser Text gefällt mir besonders gut, nicht nur die Gedanken über das Täuschen und Enttäuschen, sonder auch die Vorstellung, dass jemand seinen Blick irgendwo hin wirft und ihn dann wieder herholt und woanders hin zielgerichtet wirft, dieses Bild finde ich schön.
stay tuned...