ein text von mir für iRights, der viellleicht die eine oder den anderen blogger/in und oder leser/in interessieren könnte, findet sich hier:
>eine e-mail aus dem nahen osten. viel spaß beim lesen...
euka-pirates - 2009.02.24, 18:54 -
es war nicht das einrad, auf dem sie saß, das ihn faszinierte. es waren ihr blick und ihre haare, die in dunklen locken hinter ihr im wind trudelten, als seien sie ein
>lebewesen mit eigenem willen. dann verschwand sie hinter der straßenbiegung, aber ihr bild hing noch sekundenlang vor seinen augen. wer bist du? dachte er. tage später kaufte er streichhölzer am kiosk. wegen der kopfhörer mit musik in seinen ohren und weil sie hinter ihm darauf wartete, an die reihe zu kommen, sah und hörte er sie nicht. in meinem traum, sagte sie, hattest du rote haare. die braunen stehen dir viel besser. er nickte dem verkäufer zu und ging. erstaunt schaute sie ihm nach, ein seltsames gefühl im magen. wie oft trifft man den richtigen, bis man ihm wirklich begegnet? murmelte sie als der verkäufer ihr das wechselgeld reichte.
euka-pirates - 2009.02.13, 12:39 -
sitzt in meiner küche und erzählt von früher. von einem früher, das noch gar nicht so lang her ist. erzählt von
>stehenden wellen in städten, in einer stadt, einer der wenigen, in denen es hierzulande so etwas noch gab, von cafés und sonnentagen und seltenen besuchen an der universität. erzählt von den jungs, die damals da waren, die immer noch da sind, davon, daß sie irgendwie in jeder lebenszeit zusammen waren, daß er sich an keinen streit erinnern kann, an keinen wirklichen. sitzt in meiner küche und erzählt lächelnd von einem früher, das eigentlich nach wie vor andauert, ins jetzt reicht und noch lange bestehen wird, also im grunde auch gegenwart und zukunft ist. und ich trinke einen schluck bier und denke, daß das eine der schönsten geschichten ist, die ich seit langem gehört habe, vor allem: weil sie wahr ist.
euka-pirates - 2009.01.28, 10:04 -
die beiden saßen auf zwei alten autoreifen am ende des stegs und blickten auf den zugefrorenen see. ringsum nur winterweiß, der wässrig blaue himmel, das frostüberzogene grün der tannen am anderen ufer. ab und an ein knacken aus dem eis vor ihnen, das holzige schaben, wenn ein luftzug die riedhalme gegeneinander stieß. noch sekunden nachdem sie ausgeatmet hatten, hingen streifen kondensierter luft vor ihren gesichtern. sie hatte geweint, wirkte aber gelassen. er legte ihr den arm um die schultern. gleichzeitig sahen sie auf, als ein reiher über ihnen entlangflog. schwesterchen, sagte er und zog sie an sich, das leben ist manchmal ein bißchen verheddert, das wird schon noch. sie nickte. niemals hätte ich gedacht, daß man sich so entsetzlich hilflos fühlt, sagte sie, wenn man jemanden wirklich vermisst.
euka-pirates - 2009.01.26, 14:45 -
der
>milan saß in der birke vorm fenster der dachwohnung. es war die zeit seiner ersten beuteflüge, aber er rührte sich nicht. endlich sah er den jungen hinterm fenster, wie er sich den schlaf aus den augen rieb. guten morgen, sagte der vogel. der junge riß erstaunt die augen auf. wer bist du? fragte er. dein zwilling, antwortete der milan. du mußt wissen, erklärte er, daß jeder von uns milanen einen menschenzwilling hat. ein leben lang teilen wir alle freude und alle trauer mit ihm. wer unser menschenzwilling ist, wird uns im traum offenbart. letzte nacht habe ich von dir geträumt. ich heiße raban, stellte er sich vor. der junge lächelte übers ganze gesicht. und ich, rief er, heiße
>milan, treffen wir uns im wald? raban nickte und flog auf. milan aber war in seinem ganzen leben noch nie so schnell angezogen gewesen wie an diesem morgen...
euka-pirates - 2009.01.24, 20:37 -
ich habe nachgedacht, sagt er, sieht auf den tisch, auf seine hände, räuspert sich. wir können alles machen. er sagt es genau so, er sagt: alles machen. außer du weißt schon. bricht ab, räuspert sich wieder. außer, na ja, außer das allerletzte. er nickt, als er es sagt, betrachtet jetzt seine knie. wenn ich sagen kann, ich meine, sagt er, falls sie es doch herausfindet, wenn ich dann sagen kann, wenn ich beschwören kann, wenn ich, ohne zu lügen, beteuern kann, daß ich nicht mit dir. er nickt wieder. dann ist es nicht so, du weißt schon, nicht so schlimm, verstehst du? das vergehen. er sagt tatsächlich: vergehen. es ist dann nicht wirklich von bedeutung, nicht ganz so gravierend. dann läßt sie es irgendwie durchgehen. aber alles andere, wirklich, alles andere können wir machen. wenn du einverstanden bist, natürlich.
nach einem mehr oder weniger unfreiwillig, aber überaus fasziniert zu sehr später stunde mitgehörten gespräch in meiner lieblingskneipe...
euka-pirates - 2009.01.17, 13:31 -
sie erinnerte sich nicht daran, was es war, dass sie verloren hatte. nur, dass es sich hier befinden mußte, das wußte sie mit gewissheit. die fenster waren mit feinem holzstaub bedeckt und so war der große raum, in dem sie stand, in gedämftes licht getaucht. lang ging sie zwischen werkbänken und regalen voller stechbeitel und hobel herum, und fand endlich hinter der metallsäge, was sie suchte. sie hob es auf. es hatte die farbe getrockneter tomaten und schien auf die größe eines pingpongballs geschrumpft zu sein, war knittrig und fast flach. sie drehte und wendete es, hielt es gegens licht, gab schließlich auf. wäre es nicht so
>leblos gewesen, hätte es wenigstens noch leicht geschlagen, vermutlich wäre es ihr wieder eingefallen, so aber konnte sie sich einfach nicht entsinnen, was es war, das sie gesucht und nun wiedergefunden hatte.
euka-pirates - 2009.01.09, 16:32 -
beschuhter fuß, wie er im weggehen die kühlschranktür zustößt. besorgter blick, wie er über einen kratzer im schwarzen autolack fährt. gepuderte nase, wie sie sich beim vorbeigehen an mülleimern hinter der markthalle rümpft. empörte stimmen, wie sie sich nach einem telefonat mit der krankenversicherung erheben. geschüttelter kopf, wie er dem kind die schokolade verbietet. lachender mund, wie er blitzblanke zähne und zwei lückenlose zahnreihen zeigt. nackter fuß, wie er auf teppich steht. geschlossene augen, wie sie in ruhe schlafen.
euka-pirates - 2009.01.07, 15:56 -
die uhr tickt stetig. in ihren leisen marsch mischt sich das klicken der stricknadeln, das schaben der wolle an wenckes schwieligen händen, das knistern der plastiktüte, wenn sie
>den faden nachzieht. sie lauscht, sortiert gedanken. malte ist heimgekehrt. mitten in der nacht stand er vor der tür, klopfte nicht, stierte nur vor sich hin. davon muß ich aufgewacht sein, denkt sie, von seinem stehen und stieren vor der tür. niemand rechnete damit, ihn wiederzusehen. von dort, wo man ihn hingeschickt hat, kommt keiner zurück. er ließ sich nicht umarmen, ging einfach an ihr vorbei zum sofa, legte sich hin und
>schlief. gegen mittag holte er ein uraltes bandoneon aus dem seesack und verschwand in der kirche nebenan. seit stunden spielt er dort. hoffentlich findet er jemanden, dem er alles erzählen kann, denkt wencke. nur mir nicht, bitte nicht mir...
text zu
>rauschen 1
euka-pirates - 2008.10.16, 07:00 -
sie hatte sich an das schummerlicht gewöhnt, an die feuchte luft und den husten. sie war so lange nicht mehr draußen gewesen, hatte so lange die fensterläden nicht mehr geöffnet und sich von leitungswasser und mais aus dosen ernährt, daß sie sich nicht wunderte, als irgendwann ein riß im boden entstand, weil die kräftige wurzel eines baumes sich in ihr zimmer bohrte. sie verbrachte ihre tage damit, die wurzel zu beobachten, die langsam aber steitg auf das spärliche licht zuwuchs, das durch die fensterläden fiel, bis sie sich eines tages den weg durch das morsche holz eines der läden brach. wurzelarbeit. sie schüttelte den kopf, wartete auf die nacht, stahl bretter und nägel vom hof nebenan, ging zurück ins zimmer und nagelte das loch zu. sie hatte ihre entscheidung vor vielen jahren getroffen, es gab nichts zu überdenken an ihr.
euka-pirates - 2008.10.15, 13:08 -
peter, sagte paul, du? du schreibst über die liebe? paul antwortete nicht. er saß auf dem balkon und schrieb. manchmal ging er in die küche um ein glas wasser, tee oder wein. manchmal ging er ins bad oder für ein paar stunden ins bett, aufs sofa. paul blieb schließlich aus. peter schrieb, schlief, trank. dann war das buch fertig, und er betrachtete drei wochen lang den abendhimmel überm balkon. irgendwann klingelte es. er wendete nicht einmal den kopf. er würde nicht öffnen, er wartete auf den anruf seiner agentin. es klingelte wieder. peter stand auf, ging zur tür, lauschte. als es ein drittes mal klingelte, gab er doch nach. vor der tür stand klara. aber du bist aus meinem buch, sagte er verwundert. klara lächelte. und am ende, sagte sie, kriegen sie sich, gedruckt oder nicht gedruckt. das wirst du ja wohl nicht vergessen haben.
euka-pirates - 2008.09.23, 01:11 -
der marienkäfer brauchte drei stunden vom einen ende des blumenkastens zum anderen. dort blieb er stehen. ich brauchte drei tage von meiner beobachtung seiner wanderung bis zur erkenntnis, daß der käfer zu seinem todesort gewandert war. dort, wo er aufgebrochen war, stand eine bonsairose. wo er gestorben war, stand das wilde basilikum, an dem eine woche vorher winzige blüten sich geöffnet hatten. er mag den geruch, sagte ole. er wollte lieber unter vielen blüten sterben, als unter einer, sagte elli. heiko betrachtete die szene. der war noch gar nicht am ziel, sagte er. der ist zufällig unterwegs gestorben. da schlug elli mit den winzigen fäusten auf ihren vater ein. ole trat gegen die wand und verschwand im kinderzimmer. mit dem zeigefinger bohrte heiko ein loch nebens basilikum, und wir begruben den marienkäfer.
euka-pirates - 2008.07.17, 11:46 -
sieh mich an, sagt elli. ole sieht auf den stift in seiner hand. sieh mich an, sagt elli. ole sieht auf die leere seite im skizzenblock. sieh mich an, sagt elli. ole geht auf den balkon eine rauchen. elli geht am verteilerkasten vorm schulhof vorbei. am ende der sackgasse biegt sie rechts ab, setzt sich in die schaukel auf dem spielplatz und sieht der straßenbahn zu, wie sie anhält, licht in die nacht streut, die türen geschlossen läßt, weil niemand aussteigen will. sieh mich an, flüstert elli. aber die straßenbahn ruckt nur kurz und fährt weiter. dann steht ole neben dem efeuüberwachsenen zaun an der straßenecke. dann kommt er heran. dann legt er den ganzen sandkasten mit ellizeichnungen aus, und die rutschbahn und die wippe. dann kniet er im sand und sieht elli an. weil es ihr so wichtig ist. daß er sie
>ansieht: mit den augen.
euka-pirates - 2008.05.30, 09:45 -
er hatte fliehen wollen. kneifen, sich drücken, ausweichen. er hatte aufgeben wollen und sich nicht weiter damit beschäftigen. dann mußte er feststellen, daß etwas in ihm sich sträubte gegen diese altbewährte gangart. der gedanke an flucht ödete ihn gerade so an, wie der, die dinge gelangweilt beiseite zu legen. im garten legte er sich ins gras. die sonne gerbte seine haut, der mond ließ sie fahl leuchten. regen durchnäßte jeden fetzen stoff, den er am körper trug, wind trocknete ihn wieder. er spürte wenig von all dem, dachte über nichts nach, war einfach nur, und wartete. als er sich nach sieben tagen erhob, hätte er nicht sagen können, woher sein wissen kam, nur daß er wußte stand fest. er würde zukunft riskieren. statt türen zu knallen, schrieb er diesmal einen
>liebesbrief.
euka-pirates - 2008.05.29, 11:34 -